Jeder Anwalt kennt es: Der Mandant hat bereits umfangreich die KI für juristische Fragen herangezogen und legt bei seiner Anfrage stolz die „selbst recherchierten“ seitenlangen Rechtsausführungen der Künstlichen Intelligenz vor. Das ist aus Sicht der Mandanten nur allzu verständlich, will man doch sein Problem schnell gelöst haben und die KI bietet nunmal zu allen Fragen eine gutklingende Antwort.
Dabei schwingt sicher auch die Hoffnung mit, dem Anwalt Zeit und sich selbst Geld zu sparen, weil das Problem ja eigentlich schon gelöst wurde.
Doch meistens ist genau das Gegenteil der Fall. Das Problem dabei ist nicht die KI. Modelle wie Claude werden jeden Tag besser und können bei richtiger Steuerung sehr gute juristische Prüfungen erstellen. Das Problem liegt in der richtigen „Fütterung“ der KI, also dem Prompting.
Entscheidend ist es, die KI (nur) mit dem relevanten Sachverhalt zu füttern und auch nur die Unterlagen anzuhängen, die man in einem Prozess auch erfolgreich verwenden könnte.
Die Arbeit der Anwälte
Für uns Anwälte ist das unser täglich Brot. Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit ist es, zunächst einmal von dem Mandanten zu erfahren, worin genau seine Ziele liegen. Nicht selten ist das juristische Problem nur die Spitze des Eisbergs und die eigentliche Herausforderung liegt ganz woanders. Ist der Anwalt dann der Meinung, dem Mandanten mit juristischen Mitteln weiterhelfen zu können, gilt es den relevanten Sachverhalt genau zu ermitteln. In der Realität hat dieser oft weniger mit den Ausführungen des Mandanten zu tun hat.
Erst wenn das Ziel und der relevante Sachverhalt feststehen, macht es Sinn, die KI zu befragen und zwar bitte mit den „richtigen“ Fragen. Ein Anwalt weiß in aller Regel, welche Fragen bzw. Prompts er für bestimmte Ergebnisse eingeben muss. Der Mandant weiß dies üblicherweise nicht.
Das gleiche gilt für die Wahl der prozessualen Taktik. Nicht jede juristisch zwar möglichen Ansprüche sind in der Praxis sinnvoll durchzusetzen. Die KI weiß nach meiner Erfahrung (noch) nicht, wie lange welches Gericht für welche Anträge benötigt und welche Anträge und Klagearten prozessual zu den besten Ergebnissen führen. Genau hierfür ist die Erfahrung von uns Prozessanwälten (noch) unerlässlich. Es sollte nicht ausschließlich die KI für juristische Fragen herangezogen werden.
Unsere Bitte vor der Befragung der KI
Von daher, liebe Mandanten, bitte lieber alle Unterlagen zusammensuchen und dem Anwalt alle Informationen zum Sachverhalt zukommen zu lassen.
Die Sortierung und juristische Einordnung kann der Anwalt anschließend selbst, gerne auch mit Hilfe von KI vornehmen. Das erfolgt dann auch datenschutzkonform in einem geschützten System. Es ist teilweise erschreckend, wie unvorsichtig Mandanten vertrauliche Dokumente in offene KI-Systeme hochladen.
Fazit: Anwalt oder KI für juristische Fragen?
Die KI wird nach meiner Erfahrung jeden Tag etwas besser und wird schon bald aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sein. Dennoch macht es einen Unterschied, wer sie mit welchem Hintergrundwissen bedient. Denn die KI ist immer nur so gut, wie der, der sie füttert. Das erinnert mich an den alten Spruch: Der Anwalt ist immer nur so gut, wie der Mandant, der ihn füttert. Aber bitte nicht (nur) mit KI-Inhalten!





